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radical left II

Das geht nicht besser -
Sondern nur ganz anders!


Die Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) plant für den 21. Oktober in Berlin, Dortmund, Wiesbaden, Stuttgart und München zentrale Demonstrationen und Kundgebungen gegen die immer schärfer werdende Politik des Sozialabbaus. Eine gute Initiative könnte man meinen, doch schon das Motto „Das geht besser. Aber nicht von allein! Für die soziale Erneuerung Deutschlands“ lässt schlimmes befürchten. Nur gut, dass es Initiativen gibt, die etwas ganz anderes fordern.
Wer beim DGB auf die Streichung von Hartz IV, die Beibehaltung und den Ausbau von Arbeit(nehmer)Innenrechten hofft oder Kämpfe für angemessene Lohnerhöhungen erwartet, kann lange warten. Denn wem als Antwort auf Hartz IV, massiven Sozialraub und eine Zwei-Klassen-Gesundheitspolitik lediglich „das geht besser“ einfällt, der hat an einer politischen Richtungsänderung ganz offensichtlich keinerlei Interesse. Im Gegenteil, der DGB versucht sich genauso anzubiedern wie in der Vergangenheit, mit ihm zusammen, sind Reformen noch besser durchsetzbar. Zum kleinen Trost gibt es auch innerhalb der Gewerkschaften immer lauter werdende Gegenstimmen, die nicht mehr bereit sind, das sozial-partnerschaftliche Geklüngel zwischen Regierung und DGB-Spitze mitzutragen. Deswegen hat sich in München die „Aktion gegen Sozialkahlschlag“ zusammengefunden, um eindeutige Kritik an der Regierungspolitik zu formulieren. Linke GewerkschafterInnen und VertreterInnen der sozialen Bewegungen fordern in einem eigenen Aufruf: Beendet den Sozialkahlschlag der großen Koalition! Durch außerparlamentarischen Druck von unten, durch Streiks und Demonstrationen, wollen sie einen gesetzlichen Mindestlohn von 10 Euro/pro Stunde sowie die Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden bei vollem Lohn- und Personalausgleich erkämpfen. Sie fordern einen Generalstreik gegen den fortgesetzten Sozialkahlschlag der Bundesregierung. Und dafür lohnt es sich bereits nach München zu fahren, auch wenn man weiß, dass man sich keinen Illusionen hingeben sollte, dass Ausbeutung grundsätzlich reformierbar sei!

Her mit dem, was uns gehört!
Ein besseres Leben ist möglich? Aber sicher! Der Anfang für dieses bessere Leben ist längst gemacht. Der gesellschaftliche Reichtum wächst immer weiter, es wird immer einfacher genug zu produzieren, um allen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Doch bis jetzt schaut die Realität immer noch anders aus. Diejenigen, die den Reichtum produzieren, diejenigen, die täglich arbeiten und somit diesen Reichtum erst ermöglichen, bekommen davon wenig bis gar nichts ab. Diejenigen, die die Mittel zur Produktion in der Hand halten, sitzen oben und schöpfen sich die Profite ab, die nur durch unsere Arbeit möglich sind. Die Lösung liegt nahe: arbeiten und produzieren wir für uns und nach unseren Bedürfnissen, und nicht für eine kleine Menge an Menschen, die sich einbildet, das Resultat unserer Arbeit zu ihren Gunsten verteilen zu können!
Momentan ist das nämlich ganz und gar nicht der Fall. Deutlich erkennbar, wird das bereits bei der Suche nach Ausbildungsplätzen. 302.000 Ausbildungsplätze fehlen im Jahr 2006. Doch mit der Forderung nach mehr Ausbildungsplätzen ist es nicht getan! Denn wer eine Stelle gefunden hat, findet sich ebenfalls in einer prekären Lage wieder. Zwei bis vier Euro beträgt der normale Lohn für einen Azubi, eine minimale Entschädigung, die kaum für ein selbstständiges Leben reicht – ein maximales Ausbeutungsverhältnis, das aus dem Lehrling an Gewinnen raus zieht, was raus zu ziehen geht.
Nach der Ausbildung steht mensch dann dem Arbeitsmarkt frei zur Verfügung. Konkret heißt das, weiter geht’s mit der Ausbeutung. Angestellt wird heute nur noch mit befristeten Verträgen, eine Chance auf eine längerfristige Anstellung gibt es kaum. Wer also nicht spurt, kann damit rechnen nach Auslaufen des Arbeitsvertrags ohne Job da zu stehen. Gleichzeitig werden fest angestellte Kernbelegschaften in den Betrieben gefeuert, um Platz zu machen für befristete, prekäre Beschäftigungsverhä ltnisse. Für viele v.a. ältere Menschen bedeutet das, ein Leben auf dem Abstellgleis, Hartz IV und Perspektivlosigkeit. Für die Unternehmen bedeutet es mehr Flexibilität und bessere Ausbeutungsbedingungen.
Von Seiten der Politik wird immer nur von einer Entlastung der Unternehmen, sei es durch Steuerreformen, Streichung des Kündigungsschutzes oder was auch immer gesprochen. Beispiel Lohnnebenkosten: die Lohnnebenkosten, faktisch Teil des Lohns, sollen gesenkt werden, um den „Standort Deutschland“ für Konzerne attraktiver zu machen. Die Ursache für die ständige Lohndrückerei und die immer schlechteren Lebensverhältnisse liegt dabei nicht an einzelnen Unternehmen, sie liegt im Kapitalismus selbst. Die Grundlage des Kapitalismus besteht darin immer höhere Gewinne einzufahren. Diese Gewinne werden jedoch dadurch geschaffen, dass den arbeitenden Menschen nur ein geringer Teil des Wertes, den sie produzieren, ausbezahlt wird. Ergo ist der leichteste Weg höhere Gewinne zu machen, den Teil der bezahlten Arbeit noch weiter zu senken.

Was haben wir also davon, täglich zu arbeiten und damit Reichtum zu produzieren? Antwort: einen feuchten Dreck! Es wird Zeit, dass wir anfangen damit Schluss zu machen! Es wird Zeit zu begreifen, dass wir es sind, die riesige Profite und immer mehr Reichtum schaffen! Und es wird Zeit, dass wir uns diesen Reichtum zurückholen! Und dafür müssen wir anfangen zu kämpfen. Fangen wir damit an, uns nicht mehr alles gefallen zu lassen, unser Recht auf Sicherheit und ein lebenswertes Leben einzufordern. Wenn wir uns zusammenschließen und gemeinsam kämpfen, an der Ausbildungsstätte, im Betrieb, in der Schule, in der Uni und auf der Straße, dann können wir nicht länger ignoriert und verarscht werden! Holen wir uns Schritt für Schritt, was uns gehört.
Eine Gelegenheit, unsere Forderungen auf die Straße zu tragen, ist am 21. Oktober in München – im antikapitalistischen Block.
Her mit dem, was uns gehört! Das Drama beenden!