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radical left II

Do you really want to change this system? Let´s better start now...

Seit dem G8-Gipfel in St. Petersburg ist der offizielle Termin bekannt. Vom 06. – 08. Juni 2007 ist entlang der mecklenburgvorpommerischen Ostseeküste mit Ausgangssperre, geschlossenen Läden und einem Großaufgebot an Geheimdiensten, Sondereinsatzkommandos und Oberfeldwebeln zu rechnen, weil acht „wichtige“ Staatschefs einen abgeschiedenen Ort wie den Bonzenkurort Heiligendamm für ihr illegitimes Treffen in Beschlag nehmen wollen. Nicht nur deswegen, sondern hauptsächlich wegen ihrer ausbeuterischen und menschenverachtenden Politik, ist wie immer bei solchen Zusammenkünften, mit massivem Widerstand zu rechnen. Denn schließlich treffen sich hier die VertreterInnen der acht Staaten, die den größten Anteil der weltweiten Ausbeutung und Ausplünderung für sich beanspruchen. Sie stehen stellvertretend für eine Politik, die Kriege und Flucht, Armut und Reichtum verursacht, sie stehen stellvertretende für ein Gesellschafts- und Produktionssystem, das auf soziale Ausgrenzung und Hierarchisierung angewiesen ist und dessen Profitgier die Privatisierung überlebenswichtiger Güter notwendig macht.

first step: start at the beginning
Bereits jetzt ist absehbar, dass die Zusammenkunft der G8 in Heiligendamm nicht ohne erheblichen Widerstand über die Bühne gehen wird. Aus den verschiedensten Spektren der politischen Linken von NGOs und kirchlichen Gruppen, von GewerkschafterInnen über Attac, von traditionellen bis hin zu undogmatischen antikapitalistischen Gruppen der radikalen und revolutionären Linken werden Proteste und Gegenaktivitäten angekündigt. Soll der Widerstand gegen den G8-Gipfel an erfolgreiche Proteste in der Vergangenheit anknüpfen, so ist es erforderlich, die unterschiedlichen Aktionsformen und die Vielfalt dieser politischen Kräfte zusammen zu bringen.
Im März 2006 wurden bei der 1. Aktionskonferenz in Rostock erste Kontakte zwischen den unterschiedlichen Spektren geknüpft. Erklärtes Ziel aller Anwesenden war es, die gemeinsame Gipfel-Mobilisierung möglichst breit zu verankern. Kraftvolle Tage des Widerstands sollen es im Juni 2007 werden, „bei denen mit der Kritik der G8 und der bestehenden Weltordnung, auch gleichzeitig die Möglichkeiten und die Kräfte der Veränderung in der Aktion sichtbar werden.“ Seit Monaten werden in verschiedenen Netzwerken und Bündnissen praktische Aktionen vorbereitet, es werden Strategien entworfen und verworfen, es wird diskutiert, geplant und agiert, doch nun ist es an der Zeit, all das Erarbeitete zu überprüfen, zu bündeln, auszubauen und zusammenzubringen. second step: Internationale Aktionskonferenz vom 10. – 12.11.2006 in Rostock Die zentralen Beweggründe der jeweiligen Mobilisierungen gegen das Treffen der G8, gilt es nun herauszuarbeiten, um gemeinsame Schnittstellen und Anknüpfungspunkte unter Berücksichtigung internationaler Perspektiven von AktivistInnen aus ganz Europa zu analysieren. Der Countdown für die internationale Massenmobilisierung kommt damit in die entscheidende Phase. Es ist davon auszugehen, dass die Mobilisierung gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm alles andere in den Schatten stellt, was es in den letzten Jahren an linken und linksradikalen Aktivitäten innerhalb Deutschlands gab. Die einzelnen Gegenaktivitäten, von einer gemeinsamen Großdemonstration, über Massenblockade-Aktionen bis hin zu einem großen Kulturevent, einem Gegenkongress und einem Camp müssen auf der Aktionskonferenz Rostock II zusammengeführt und daraus ein für alle tragfähiger Aktionsfahrplan verabschiedet werden. Doch die Mobilisierung steht und fällt mit der Arbeit vor Ort. Vor allem die massenhaften Blockaden erfordern genaue und verlässliche Absprachen, wenn sich „Tausende von Menschen aus unterschiedlichen politischen und kulturellen Spektren und unterschiedlichen Aktionserfahrungen beteiligen, die sich in den Aktionen nicht nur gegenseitig respektieren und tolerieren, sondern tatsächlich zum gemeinsamen Handeln finden.“ Aus diesem Grund haben sich bereits so unterschiedliche Gruppen wie X-tausendmal quer, die Antifaschistische Linke Berlin (ALB), Avanti - Projekt undogmatische Linke, die Grüne Jugend sowie AktivistInnen von Attac, solid und der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion unter einem gemeinsamen Aufruf zur Initiierung eines bundesweiten Netzwerks von Blockadegruppen zusammengefunden. Mit diesem wollen sie zur Bildung von lokalen, spektrenübergreifenden „Blockadegruppen“ anregen, die auf der Aktionskonferenz in Rostock ein gemeinsames Blockadenetzwerk ins Leben rufen sollen, um eine möglichst große Beteiligung an den Massenblockaden gegen den G8 zu erreichen und damit den gemeinsamen Widerstand zu einem Erfolg zu machen.

third step: act local and take step 1!
Für uns ist es wichtig, den Widerstand gegen die kapitalistische Globalisierung vor Ort zu beginnen. Erfolgreiche linke Gegenwehr kann keine Eintagsfliege sein. Reines Event-Hoping (von einem Gipfel zum nächsten) bringt uns dem Ziel einer anderen Gesellschaft keinen Schritt näher. Deswegen gilt es die Verknüpfung herzustellen, zwischen dem, was die da oben aushecken und dem, was bei uns davon ankommt. Der Kampf gegen Sozialraub und Bildungsklau hat mit G8 genau so viel zu tun, wie der Kampf gegen Krieg, ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Lohndrückerei und Privatisierung weltweit. Bundes- und süddeutschlandweit haben sich bereits Netzwerke und Bündnisse zusammengefunden, in denen wir uns an den Mobilisierungen gegen den G8- Gipfel beteiligen. Für Nürnberg wird es nun ebenfalls Zeit, sich zusammenzufinden und gemeinsam das Thema anzugehen. Bis Heiligendamm haben wir noch viele Schritte vor uns. Innerhalb einer süddeutschlandweiten Koordinierung haben wir uns bereits für die kürzeste Reiseroute nach Heiligendamm entschieden: von der Innenministerkonferenz in Nürnberg (step 1) über das World Economic Forum in Davos (step 2 - Januar 2007) zur Nato-Sicherheitskonferenz in München (step 3 - Februar 2007)! – Doch dazwischen gibt es noch vieles in Nürnberg zu tun!

Step 1: Bundesinnenministerkonferenz in Nürnberg - Freiheit stirbt mit Sicherheit!
Relativ unbemerkt von der (radikalen) Linken treffen sich zweimal jährlich die Innenminister und eine -ministerin der Länder mit Bundesinnenminister Schäuble und dem Präsidenten des Verfassungsschutzes zur sog. Innenministerkonferenz (IMK), um im Namen der „Sicherheit“ neue Gesetzesverschärfungen, Kontroll- und Überwachungssysteme auf den Weg zu bringen. Doch im Namen der „Freiheit“ regt sich dieses Mal Widerstand in Nürnberg. Antirassistische Initiativen und Flüchtlingsorga nisationen fordern bundesweit „Bleiberecht jetzt! Gegen soziale Ausgrenzung und Repression!“ und wollen damit eine bevorstehende Ausweisungs- und Abschiebeflut von „geduldeten“ Flüchtlingen verhindern.
Ihre Agenda: Soziale Ausgrenzung, Abschiebung, Zuwanderungsbegrenzung! Steckenpferd der Innenministerkonferenz ist das sog. „Zuwanderungsgesetz“, das nach fast zweijähriger Laufzeit nun zur Nachbesserung auf der Tagesordnung steht. Eine endgültige Regelung für die 190.000 „geduldeten“ Flüchtlinge, die zum Teil bereits seit 10 Jahren von deutschen Behörden gezwungen werden, in einem aussichtslosen Status der „Halblegalität“ zu verharren, soll getroffen werden. Ihre Anerkennung soll selbst nach Jahren, in denen sie nicht abgeschoben werden konnten, an Bedingungen geknüpft werden, so wird u.a. die „Sicherung des eigenen Lebensunterhalts“ gefordert, verarsche pur angesichts des – von den Innenministern höchstpersönlich verabschiedeten - Arbeitsverbots für „geduldete“ Flüchtlinge. Ähnlich gastfreundlich und weltoffen stellen sich die Leitlinien zur Zuwanderungs- und Integrationspolitik der großen Koalition dar, „Integration kann nur gelingen, wenn Migration gesteuert und begrenzt wird.“ Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, wenn die Evaluation des neuen „Zuwanderungsgesetzes“ bereits jetzt ergibt, dass Zuwanderung nach Deutschland kaum mehr möglich ist. Doch beim Fragenkatalog, wie hier noch weiter begrenzt werden kann bzw. MigrantInnen weiter entrechtet und effektiv ausgegrenzt werden können, mangelt es den Innenministern nicht an Einfallsreichtum. Ausländer- und sozialrechtliche Sanktionsmöglichkeiten für verpflichtete TeilnehmerInnen an Integrationskursen sollen auf der IMK ebenso diskutiert werden, wie Ausländerbehörden das Recht einzuräumen, aufenthaltsrelevante Vaterschaftsanerkennungen anzufechten. Die Umsetzung dieses ganzen Wahnsinns kommt seit der Verabschiedung des „Zuwanderungsgesetzes“ dem am Rande des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg ansässigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu. Dieses steuert und speichert, kontrolliert und überwacht über das Ausländerzentralregister so ziemlich alle, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Die Daten von rund 6,7 Millionen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit werden hier „zur Steuerung und Planung von Zuwanderung“ verwaltet und stehen als „Informationsquelle für ca. 6000 Partnerbehörden“ zur Verfügung. Dieses Amt untersucht auch in Zusammenarbeit mit der IOM (International Organization of Migration) „weltweite Flüchtlingsströme“, damit diese Deutschland und Europa gar nicht erst erreichen. Die Zukunft der deutschen Integrationsbemühungen liegt jedoch in der „Förderung der freiwilligen Rückkehr“. Denn laut BAMF sind „Migration, Integration und Reintegration ... durch die Förderung der freiwilligen Rückkehr eng miteinander verbunden.“ Und wer nicht freiwillig geht, bei dem helfen die Innenminister durch diverse Gesetzesvorschläge nach. Denn wenn es nach ihnen geht, soll neben Straffälligkeit und Terrorismusverdacht zukünftig auch der Bezug von Hartz IV als Ausweisungsgrund für „AusländerInnen“ dienen.

Ihre Agenda: Repression, Kontrolle, Überwachung!
Seit Anfang September ist es beschlossene Sache, die „Antiterrordatei“ als zentraler Ort der Datenerfassung für Polizei- und Nachrichtendienste wird eingerichtet. Abgespeichert wird hier, wer verdächtig ist. Doch wer gilt als verdächtig? Sind es die im Ausländerzentralregister registrierten? Sind es die vor der Festung Europa abgewiesenen Flüchtlinge aus dem SIS (Schengen-Informationssystem)? Oder sind es die in den Gewalttäterdateien abgespeicherten Fußballfans, antikapitalistischen GlobalisierungskritikerInnen und Graffity-SprayerInnen? Sind es Menschen mit muslimischer Religionszugehörigkeit oder doch nur die an Bahnhöfen tagtäglich Ein- und Ausgehenden? Richtig, verdächtig sind alle. Der „Kampf gegen den Terror“ macht es seit Jahren möglich. Die ursprünglichen Aufgaben der Exekutive „Verbrechensbekämpfung“ und „Verfolgung von Straftaten“ wurden schon lange vom Primat der „Gefahrenabwehr“ abgelöst. Eine Trennung von Geheimdienst und Polizei – ursprünglich aus den Lehren des Nationalsozialismus im Grundgesetz verankert - entspricht vor allem im Bereich der Aufgabenteilung schon lange nicht mehr der Realität. Das Ergebnis: Wir leben in einem Überwachungs- und Kontrollstaat! Die Eingriffsschwelle des Staates liegt daher nicht mehr bei einem vorliegenden Tatverdacht, sondern bei der Möglichkeit, der/die Einzelne könnte sich verdächtig machen.
In ein solches „Frühwarnsystem“ der Kontrolle und Bespitzelung gehören biometrische Daten und RFID-Chips, wie sie seit ein paar Jahren zunehmend in Reisepässen, Eintritts- (WM) und Kundenkarten (Metro) eingesetzt werden, ebenso wie eine flächendeckende Kameraüberwachung an öffentlichen Orten. Ab 2007 werden in die bereits eingebauten RFIDChips in deutschen Reisepässen auch biometriefähige Passfotos und zwei Fingerabdrücke eingespeichert. Gespeicherte Daten auf RFID-Chips können über mobile Lesegeräte innerhalb weniger Meter unbemerkt ausgelesen werden. Ebenso unbemerkt ermöglichen es biometrische Techniken, Menschen anhand individueller Merkmale aus einer Menschenmenge heraus zu filtern. Anhand von Fingerabdruck-Sensoren, Iris- Scans oder Gesichtserkennungen werden die gelieferten Daten mit einer Datenbank abgeglichen. In Modellprojekten an den Flughäfen in München und Frankfurt sowie ab Oktober am Mainzer Hauptbahnhof wird zur Zeit daran gearbeitet, die Zuverlässigkeit automatischer Gesichtserkennungen weiter auszubauen. Die technischen Möglichkeiten der Überwachung und die dazugehörige Datenerfassung ermöglichen inzwischen ein staatliches Spitzel und Kontrollsystem, dass selbst ehemalige Stasi-Funktionäre vor Neid erblassen würden. Ziel des Überwachungsterrors und der Datenerfassungsflut sind wir alle. Denn schließlich bricht das individuelle „Sicherheitsgefühl“, mit dem das kapitalistische Wirtschaftssystem zu Zeiten von Vollbeschäftigung und Sozialstaat den Großteil der Menschen befrieden konnte mit Wegfall dieser subjektiven Sicherheitsfaktoren, zunehmend auf.

Unsere Agenda: Rebellion und Widerstand!
Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte im September 2006: „Wir brauchen mehr Sicherheit, wir brauchen mehr Staat!“ Die einzige Sicherheit, die wir brauchen, ist das Ende der kapitalistischen und patriarchalen Verhältnisse. Wir haben keinen Bock mehr auf soziale Hierarchisierung und die damit verbundene Ausgrenzung von all denjenigen, die in die Verwertungsmaschinerie nichts einzubringen haben. Wir haben keinen Bock mehrauf Kontrolle und Überwachung, wo immer wir uns aufhalten. Wir haben keinen Bock mehr, unsere Rechte und Freiheiten den „Sicherheitsbedürfnissen“ eines kapitalistischen Systems unterzuordnen. Deswegen werden wir am 16.11. mit auf der Straße sein und fordern: Bleiberecht und offene Grenzen für alle! Statt innerer Sicherheit, soziale Sicherheit für alle! Alles für alle!
Bleiberechtsdemonstration am 16.11./Infos unter www.redside.tk /www.imk2006.de

Von der IMK zum G8-Gipfel in Heiligendamm!
Die deutsche Flüchtlings- und Migrationspolitik lässt sich nicht trennen von einer europäischen oder auch weltweiten Abschottungspolitik der Industriestaaten vom Trikont. Eingebettet in ein System neoliberaler Politik gehört es heute zur Selbstverständlichkeit, dass Waren, Dienstleistungen und Kapital mühelos Grenzen überwinden können, während Menschen an diesen Grenzen zurückgewiesen oder getötet werden. Die EU beispielsweise hat zur „effizienten Abwehr“ von Flüchtlingen und MigrantInnen die europäische Agentur „Frontex“ für die „operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen“ beauftragt. Seit August patrouillieren europäische Grenzschützer selbst in afrikanischen Hoheitsgewässern, um Boote von Flüchtlingen bereits kurz nach der Abfahrt wieder zur afrikanischen Küste zurückzuschicken. Doch selbst schwerbewaffnete Flugzeuge, Schiffe und Satellitenüberwachungen können Menschen (seit Januar allein 20.000 Bootsflüchtlinge auf den kanarischen Inseln) nicht davon abhalten, aus Krieg, Hunger und Armut zu fliehen. Anstatt Reparationszahlungen für die jahrhundertlange koloniale und kapitalistische Ausbeutung afrikanischer Staaten zu leisten, investiert die EU in den betroffenen Staaten lieber in „Auffanglager“ für zurückgewiesene Flüchtlinge und koppelt „Entwicklungshilfe“ erpresserisch an Rückführungsabkommen. Auf dem nächsten EU-Gipfel am 20. Oktober im finnischen Lahti wird das Thema „illegale Migration“ daher genauso Gesprächsthema sein, wie die weltweite Kontrolle und Steuerung von Flüchtlingsströmen beim G8-Gipfel im Juni 2007. Doch solange die G8-Staaten, WTO, IWF und Weltbank an der Ausplünderung und Zerstörung der Lebensbedingungen von Millionen von Menschen, an Kriegen und Vertreibung im Trikont die Verantwortung tragen, solange werden sich auch Menschen nicht davon abhalten lassen, sich auf die Flucht zu begeben. Deswegen fordern antirassistische Initiativen und Flüchtlingsorgani-sationen bereits jetzt im Rahmen der Gegenaktivitäten gegen den G8-Gipfel „Globale Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte für Alle!“ Weitere Informationen: www.g8-2007.de / www.heiligendamm2007.de