Wer kennt ihn nicht?
Den Mann, der gerne Trachtenjacken trägt und uns seit Jahren
in verschiedensten ZDF-Dokumentationen die Vergangenheit
erklärt. Guido Knopp heißt der Mann, der für viele
HistorikerInnen ein Graus ist, dessen Format des Histotainment
jedoch außergewöhnliche Erfolge verbuchen kann.
Bis zu fünf Millionen ZuschauerInnen sitzen vor dem
Fernseher, wenn Guido Knopp und sein Team nach einem oft
Mystery-Serien gleichen Beginn in der Sendereihe History bisher
Unbekanntes entschlüsseln, entlarven, enttarnen.
Gerade bei den Dokumentationen über den Nationalsozialismus
ist es der Schlüssellochblick auf die Mächtigen des
Regimes, deren Verführungskünsten man selbst zum Opfer
gefallen war oder es zumindest glaubte, wie Gerd Wiegel schreibt,
der die ZuschauerInnen in ihren Bann zieht. Aber ist es nur das?
Nur die Sensationslust am Vergangenem?
Gerd Wiegel,
promovierter Politikwissenschaftler, zeigt uns, dass noch mehr
hinter und in diesem Format steckt.
Es geht dabei
zum einen um die Machart des Formates selbst, geprägt durch
den Dreiklang Zeitzeugenbericht, historisches Bildmaterial und
Voice Over Kommentar. Zum anderen geht es um die Umsetzung der
Erzählfiguren und vor allem um das darüber konstruierte
Bild der Vergangenheit. Beschäftigung mit der Vergangenheit
geschieht nie wertfrei und selten ohne ein klares Ziel. Daraus,
dass Guido Knopp seine Dokumentationen als Teil einer gewissen Form
von Geschichtspolitik sieht, macht er keinen
Hehl.
Aber welche
Bedeutung haben diese Art der Bearbeitung von Geschichte in
gesellschaftlichen Diskursen, wie jenen über die deutsche
Opferrolle? Was kommt an bei den Leuten vor den Fernsehern? Ist es
die emotionale Aufladung, mit der diese Sendungen, gerade für
die Erlebnisgeneration gute, weil entlastende Dienste leisten?
Warum hören alle zu, wenn die Geschichte erscheint als
Erzählung, in der die großen Männer entscheiden,
während das gemeine Volk leidet, jubelt, trauert, feiert,
verzweifelt?
Gerd Wiegel
wird mit uns diese und andere Fragen anhand von verschiedenen
Beispielen diskutieren. Es selbst ist wissenschaftlicher
Mitarbeiter der Linksfraktion und arbeitet unter anderem zu den
Schwerpunkten Geschichtspolitik, Rechtsextremismus, Rassismus- und
Nationalismustheorien.