Monatsarchiv für Februar, 2007
Am heutigen Samstag fand im Rahmen der bayernweiten Kampagne “Nazis unplugged.Rechten Strukturen den Saft abdrehen.” eine Kaffeefahrt des Antifaschistischen Aktionsbündnis Nürnberg in Nürnberg und Fürth statt.
Dabei wurden von nahezu 90 AntifaschistInnen sechs Ziele angefahren. Es handelte sich dabei um Norman W. Kempken, Fred Ballschuh, Christian Wilke, Frank Miksch, Matthias Fischer, alles führende Kader der rechtsextremen und neofaschistischen Szene sowie um die Gaststätte “Deutscher Adler” in Fürth, welche als Neonazitreffpunkt fungiert.
Hier findet ihr das Flugblatt zur Kaffeefahrt (PDF)
Hier findet ihr den Jingle des Antifasistischen Aktionsbündnis zur Kaffeefahrt (MP3)
Hier geht es zum Bericht über die Kaffeefahrt
24. Februar 2007
Antifaschistisches Aktionsbündnis
Wie das Bürgerforum Gräfenberg berichtet haben Neonazis der NPD Jugendgruppe “Junge Nationaldemokraten Bayerns” rund um Stella Ruff vor am Freitag, den 23.02.2007 um 18:30 Uhr zum wiederholten Male in Gräfenberg aufzulaufen. Dieses mal möchten sie nun nicht mehr gegen einen Bauzaun demonstrieren sondern gegen angebliche “linksradikale Umtriebe in Gräfenberg”.
Unter anderem hat das Bürgerforum Gräfenberg ab 18:00 Uhr eine Gegenveranstaltung auf dem Marktplatz angemeldet.
Kommt zahlreich und stellt euch den Nazis auf ihrem Weg entgegen.
Fr, 23.02.2007, 18:00 Uhr | Marktplatz | Gräfenberg
20. Februar 2007
organisierte autonomie
Am 24.02.2007 wird sich die deutsche Elite aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft unter der Schirmherrschaft von Helmut Kohl in Frankfurt am Main treffen um den deutschen Opernball 2007 zu zelebrieren. An diesem Tag wird es neben einem roten Teppich, blitzenden Fotoapparaten und viel Blaulicht auch noch eine breite Protest- demonstration für eine gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums geben.
Sa, 24.2.2007, 15:00 Uhr | Hauptbahnhof | Frankfurt/Main
Halt`s Maul Standort Deutschland
Als Bundespräsident Horst Köhler während seiner Weihnachtsansprache im Jahre 2006 meinte: „Deutschland- das sind wir alle!“ wurde die deutsche Volks und Schicksalsgemeinschaft mal wieder beschworen, um im internationalen Wettbewerb der Nationalökonomien bestehen zu können. Vor dem individuellen Wohlergehen jedes einzelnen kommt die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen, nationalen Wirtschaft.
Menschen in prekären Lebenssituationen sollen ihre eigenen Ansprüche auf Wohlstand so gering wie möglich halten, schließlich muss der Staat/die Wirtschaft/die Gesellschaft im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben. Die Konsequenz daraus ist, dass die Menschen zu den niedrigsten Löhnen arbeiten gehen müssen. Währenddessen geht es der deutschen Wirtschaft so gut wie lange nicht mehr. Die Wirtschaft boomt, die Arbeitslosenzahlen sinken, die Beschäftigungsquote steigt und die Unternehmen erzielen Rekordgewinne.
Der gesellschaftlich erwirtschaftete Wohlstand kommt aber keinesfalls der Mehrheit zugute. Ca 10 Millionen Menschen sind laut dem Statistischen Bundesamt in Deutschland von Armut bedroht. Da es bei den immer größer werdenden sozialen Unterschieden langfristig auch zu innergesellschaftlichen Konflikten kommt, ist es kein Wunder, das selbst diverse Akteure aus Politik und Wirtschaft dieses Konfliktpotenzial erkennen und sich in vermeintlicher Kapitalismuskritik üben, indem sie der Wirtschaft beispielsweise mangelnde Mitwirkung an einer „sozialen Marktwirtschaft“ vorwerfen.
Das Problem ist freilich ein anderes. Kapitalismus kann nie sozial sein. Das Hauptziel ist die Gewinnmaximierung, welche nicht durch verschiedene sozialen Komponenten verzweigt bzw. abgeschwächt werden kann. Eine gerechte Verteilung des gesamtgesellschaftlichen Wohlstandes kann daher nur antikapitalistisch sein. Dies kann für die radikale Linke nur bedeuten eine revolutionäre Perspektive zu erschaffen bzw. wiederzuentdecken, damit ein emanzipatorischer Wandel möglich wird.
Von Frankfurt über Berlin nach Heiligendamm
Nachdem das Jahr 2006 von Fahnen schwenkenden, patriotischen Deutschen im Zuge der Fußballweltmeisterschaft gekennzeichnet war, wird das Jahr 2007 aller Voraussicht nach ein Jahr der politischen und sozialen Kämpfe weltweit werden. Neben den G8 Gipfel in Heiligendamm, dem ersten Mai sowie den Opernballprotesten in Frankfurt am Main, wird es viele lokale Bündnisse und Aktionen gebe, die sich für eine Welt jenseits kapitalistischer Verwertungslogik einsetzen. Diese Bündnisse gilt es für die radikale Linke zu unterstützen bzw. dort zu intervenieren, wo es, in welcher Form auch immer, notwendig wird. Der Anfang für das Jahr 2007 wird aller Voraussicht nach in Frankfurt am Main gemacht werden. Nachdem es im vorigen Jahr schon in Frankfurt am Main zu breiten Student_Innenprotesten kam, die die lokale Politik massiv unter Druck setzten, ist es wichtig die verschiedenen sozialen Kämpfe zusammenzuführen, um den elitären Denkstrukturen und Entscheidungsprozessen die Legitimität zu entziehen. Daher ist es wichtig, sich den Protesten für eine gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Wohlstandes am 24.02.2007 in Frankfurt am Main zu beteiligen.
Dem Deutschen Opernball einheizen!
24.2.2007 | Demonstration | 15 Uhr | Hauptbahnhof | Frankfurt/Main
Mehr Infos bei Autonome Antifa [f]
18. Februar 2007
redside
Der Druck auf die linke Bewegung im Baskenland nimmt weiter zu. Der Oberste Gerichtshof in Madrid hat nach dem Bruch der Waffenruhe der baskischen Untergrundorganisation ETA (Baskenland und Freiheit) drei linke Jugendorganisationen als “terroristisch” verurteilt. Somit werden linke Jugendgruppen im Baskenland weiter kriminalisiert. Der letzte Jugendverband SEGI hat(te) ähnlich wie seine Vorgänger Jarrai und Haika mehrere tausend Mitglieder und ein Umfeld von zehntausenden Jugendlichen. Obwohl SEGI auf der “EU-Terrorliste” steht, arbeiten sie im französischen Teil des Baskenlandes legal weiter und ist auch im spanischen Teil des Baskenland präsent. Mit einer Petition sucht SEGI internationale Unterstützung [www.gazteriaurrera.org].
THOUSANDS OF YOUNGSTERS DENOUNCED THE JUDICIAL PERSECUTION THAT SUFFER THE ORGANIZATIONS JARRAI-HAIKA-SEGI
More than 6,000 youngsters denounced the sentence that will pronounce the Spanish National Court next monday. During the fighting day, 16 people were arrested and most of the mobilizations were repressed by the Basque police force.
There were plenty of demonstrations during the day although the Spanish National Court prohibited all of them. In the morning, many highways were blocked in the 6 provinces and demonstrations were held in every village… some people occupied the townhall of Iruñea and as a result, they were detained. On saturday, 6 youngsters were arrested because of blocking the A-8 highway, they were chained up to concrete barrels.
Social movements, cultural and sport groups sustained the youth organization because of the High Court´s sentence.
Music groups such as Berri Txarrak, Fermin Muguruza or Mikel Laboa, sportsmen such as Kepa Azero or Mikel Labaka and social movements of all over Euskal Herria supported the job done by the Basque youth group. They brought back the history of these groups and denounced the attack Spain is carrying out against the freedom of organization.
They recalled that these attacks have recurred since the Basque youngsters decided to organize themselves to fight in favour of the national and social freedom of Euskal Herria. These people will keep fighting till the day this country manages the freedom to choose its future. Till this point, these attacks have not been able to stop the capacity of organization of the Basque youngsters, and so will be this time.
Youth organizations from all over the world support the denounce that was presented last Saturday. In the last 6 months Segi has visited different places in the world in order to share the reading of the current situation and to express their support to the youth organizations. With this objective, Segi´s delegates have visited Madrid, North Kurdistan, Turkey, Catalonia, South Africa, Corsica, Paris… and they have written a document with all the support received by means of the webpage www.gazteriaurrera.org . In this document, social and political organizations of all over the world express their support to the Basque youth organization.
SUPPORT DECLARATION FOR SEGI
. Basque youngsters have longer had the determination and hope to sort out the political conflict in the Basque Country. Therefore, 27 years ago left independentist youngsters formed the youth revolutionary organization called Jarrai to fight the problems that Basque youth was facing at that time and also to work for the independence and socialism in the Basque Country.
. As time has gone by, the youth organization had spread all over the Basque Country, defending Basque youngster’s rights, fighting against both Spanish and French oppression and impositions and earning support, legitimacy and making stronger its political reference.
. Repression has been and is hard on Basque youth and the Spanish and French states had and still do use any tool in their hands against the youth movement: criminalization, detentions, torture, prison, drugs… But Basque youngsters had never surrounded and have kept on organizing themselves, working and fighting and new generations have taken the baton and joined the fight for freedom
. In year 2000 Basque youngsters decided to form a unique organization for whole the Basque Country, challenging the barriers and frontiers of the states. The 1 st national youth organization called Haika was born with the support of 20.000 youngsters taking the baton of Jarrai.
. In 2001 Spanish government banned Haika and ordered to arrest and imprisoned many of its members. Once again, Basque youngsters did not surround and came up with a new national youth organization, Segi, to carry on with the work began 27 years ago.
. In 2002 Spanish government also banned Segi and ordered to imprison many of its members. But Segi has continued working and fighting, new generations have joined the fight and Segi is nowadays a political reference for Basque youngsters impossible to defeat.
. In the present time, when there is an opportunity for a democratic resolution for the political conflict in the Basque Country, the Spanish Courts are about to sentence whether Segi is an illegal or terrorist organization with the only aim of defeating its political project and the determination and commitment of Basque youngsters to make independence and socialism real.
. We send our solidarity and support to SEGI and the Basque youth as we demand to both Spanish and French states to respect Basque youngsters’ civil and political rights and to stop any attack against SEGI and the Basque youth. All collectives have the right to organize themselves and to defend, work and fight for their political aims and we completely legitimate SEGI’s social and political work.
More information www.gazteriaurrera.org
13. Februar 2007
redside
2006 ist vorbei und wir haben einen neuen Schlüssel. Bitte bringt Euch auf den neuesten Stand, wenn ihr uns verschlüsselt mailen wollt.
Den neuen öffentlichen Schlüssel findet ihr hier
11. Februar 2007
organisierte autonomie
Auch dieses Jahr soll es den alljährlichen Nazigroßaufmarsch in Dresden geben. Neonazis nutzen seit mehreren Jahren den Jahrestag der Bombardierung auf Dresden, um ihre geschichtsrevisionistischen Parolen auf die Strasse zu tragen. Die Gegenproteste wachsen von Jahr zu Jahr an. Am 13. Februar 2007 wird es darum eine bundesweite antifaschistische Demonstration sowie eine Blockade geben, die sich gegen das Nazispektakel richtet. Unterstützt wird der Protest von der Kampagne NS Verherrlichung stoppen!, die auch bereits gegen die Aufmärsche in Wunsiedel und Halbe mobilisiert haben. Mehr Infos bei Antifa-Venceremos und dem “Blockadebündnis�.
Dienstag 13.2.07 Antifa-Demo: 16 Uhr * Dr. Külz-Ring (Altmarktgalerie).
Kein Raum für die Verdrehung der Geschichte
NS-Verherrlichung stoppen
Dem Naziaufmarsch am 13. Februar in Dresden entgegentreten
Alljährlich im Februar beginnt in Dresden der Reigen der Nazi-Großveranstaltungen. Der Nazi-Pflichttermin in Dresden, bei dem vorgeblich den Toten der alliierten Bombardierung Dresdens im Februar 1945 gedacht werden soll, ist mittlerweile zum größten bundesweiten Aufmarsch geworden. Er dient – wie auch die Aufmärsche in Halbe (neuerdings zweimal jährlich), das Gebirgsjägertreffen in Mittenwald und die Aufmärsche zum Todestag von Rudolf Hess dazu, Traditionslinien zum historischen Nationalsozialismus zu schaffen. Diese Großveranstaltungen fördern die emotionalen Bindungen der TeilnehmerInnen untereinander und schaffen damit einen Zusammenhalt im Sinne einer nationalsozialistischen Identität.
Über ihre innere Wirkung hinaus geht es bei diesen Veranstaltungen jedoch auch immer wieder darum, die Geschichte zu verleugnen und zu relativieren. Der deutschen Gesellschaft soll vermittelt werden, dass der Nationalsozialismus ein System war, in dem vieles gut und richtig war:
Dafür wird der Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess, der in den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, von den Nazis zum Märtyrer stilisiert, der als „Friedensflieger� zu unrecht verurteilt wurde.
Dafür werden die Wehrmachtssoldaten und Angehörigen der Waffen-SS, die im Frühjahr 1945 bei einer der letzten Kesselschlachten des Zweiten Weltkrieges starben und nun auf dem größten Soldatenfriedhof in Deutschlands in Halbe liegen, von den Nazis unter dem Motto „Ruhm und Ehre dem deutschen Frontsoldaten“ zu Helden stilisiert.
Dafür werden in Mittenwald am Ehrenmal der Gebirgsjäger die Verbrechen von Teilen der Gebirgsjäger im Nationalsozialismus verschwiegen und Verbindungen zur SS geleugnet.
Und dafür werden die Toten des Bombenangriffs auf Dresden von den Nazis benutzt, einen Opfermythos zu kreieren. Die Alliierten werden einer „sinnlosen“, „kriminellen“ „Massenbombardierung“ beschuldigt, die BewohnerInnen Dresdens und damit zugleich die Bevölkerung Deutschland ausnahmslos als Opfer dargestellt. Mit der Stilisierung des Bombenangriffs zum „Brand“, „Flammenmeer“ oder „Bombenholocaust“ sollen die Verbrechen des Nationalsozialismus und insbesondere der Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden relativiert werden. Der Holocaust soll damit zu einem von vielen Kriegsverbrechen werden, wie sie von allen Seiten begangen wurden.
Warum gerade Dresden?
Die Bewertung der Luftangriffe auf Dresden war sowohl in der DDR als auch in der BRD politischem Kalkül unterworfen. Bis Ende der 90er Jahre erfolgte in keinem der beiden Länder eine systematische historische Erforschung.
Hatte der erste Nachkriegsbürgermeister Dresdens, Walter Waldauer, noch von einer vermeidbaren aber von deutschen Faschisten provozierten Katastrophe gesprochen, erfolgte in der offiziellen DDR-Politik schon bald ein radikaler Schwenk: Die Bombardierung wurde als verbrecherisch gebrandmarkt. Ziel sei es gewesen, der UdSSR und dem neu zugründenden sozialistischen deutschen Staat nur zerstörte Städte zu hinterlassen.
In der BRD waren es vor allem Faschisten und Revanchisten insbesondere der Vertriebenenverbände, die an die offiziellen Propagandalügen des Göbbels`schen Ministeriums anknüpften und die Bombardierung zur Relativierung der deutschen Kriegsschuld und zum Aufbau eines deutschen Opferbildes benutzten. Diese Propaganda fand offene Ohren und konnte sich beinahe ungehindert in großen Teilen der westdeutschen Gesellschaft festsetzen. Bücher wie das des Holocaustleugners David Irving „Der Untergang Dresdens“ aus dem Jahr 1963 stießen auf breite Akzeptanz und verbreiteten erfolgreich die erfundene und völlig übertriebene Zahl von 250.000 Toten.
Nach 1989 blieb das verbreitete Bild der „verbrecherischen“ Bombardierung mit hunderttausenden Toten zunächst unangegriffen. Das wiedervereinte Deutschland war auf der Suche nach „Normalität“ und im Begriff sich selbst als Opfer zu entdecken, nachdem man die jahrelangen Beteuerungen, man habe die Vergangenheit erfolgreich bewältigt, schließlich selbst glaubte.
Ab 1998 geriet der Jahrestag der Bombardierung Dresdens in das Blickfeld organisierter Neonazis. Dabei bestand in der bürgerlichen Gesellschaft gegenüber den Alt- und Jungnazis sowie Revanchisten, die versuchten, den 13. Februar in Dresden für ihre Propaganda zu nutzen, eine auffällige Untätigkeit: auch wenn man die Nazis als unangenehm empfand, konnten sie sich ungestört an den offiziellen Trauerfeierlichkeiten beteiligen. Da die BürgerInnen selbst engagiert an dem Mythos Dresden arbeiteten - unfähig und unwillig zu objektiver Betrachtung -, konnten sie sich nicht erfolgreich inhaltlich von den Nazis distanzieren.
Im Jahr 1999 mischten sich „nur“ 200 Nazis unter die Dresdner BürgerInnen vor der Frauenkirche, im Jahr 2000 wurde der erste Aufmarsch der „Jungen Landsmannschaft Ostpreußens“ (JLO) mit bereits 500 Nazis durchgeführt. Angesichts der Stimmung in Dresden wurde auch diesem Aufmarsch fast kein politischer Widerstand entgegengebracht. Dadurch ermutigt, kamen in den folgenden Jahren immer mehr Nazis, bis im Jahr 2005 mehr als 6.000 an dem bislang größten Aufmarsch teilnahmen.
Im Vorfeld des 60. Jahrestages der Bombardierung Dresdens wurde der Umgang mit der immer größer werdenden Nazidemonstration auch in der bürgerlichen Öffentlichkeit stärker diskutiert. Dabei wurde deutlich, wie stark das bürgerliche Bild des Geschehens in Dresden von nazistischen und revanchistischen Vorgaben geprägt war. Als Konsequenz daraus wurde zunächst von der Stadt Dresden eine HistorikerInnenkommission mit der Überprüfung der bekannten Quellen und weiteren Nachforschungen bezüglich der Opferzahlen beauftragt. Sie kam zu dem Ergebnis, dass die Gesamtzahl der Getöteten zwischen 20.000 und 35.000 liegt – also deutlich geringer ist als in der Vergangenheit stets propagiert.
Parallel zur Arbeit der HistorikerInnen wurde die Diskussion über den Umgang mit dem Jahrestag in Dresden fortgesetzt. In der Folge distanzierten sich die Stadt Dresden und zahlreiche bürgerliche Initiativen vor dem Jahrestag 2005 erstmals inhaltlich von der Relativierung der deutschen Kriegsverbrechen. Im Jahr 2006 beteiligten sich immerhin schon Teile des bürgerlichen Spektrums an Blockaden der Nazidemonstration, die allerdings hauptsächlich von linksradikalen AntifaschistInnen getragen wurden.
Die notwendigen Konsequenzen
Dass es heute immer mehr Menschen deutlich wird, dass die bisherige Gedenktradition in Dresden maßgeblich durch Fehlinformationen und Entschuldigungswünsche bestimmt wurde, ist ein deutlicher Fortschritt. Es reicht aber nicht, bei dieser neu gewonnenen Erkenntnis zu verbleiben und keine weiteren Schlüsse daraus zu ziehen. Heute ziehen Neo- und Altnazis den politischen Profit aus den langjährigen, auch durch bürgerliches Gedenken gepflegten Mythen. Dies muss beendet werden. Nur durch aktive Teilnahme an antifaschistischen Gegenaktivitäten kann den GeschichtsleugnerInnen der Raum zur Verbreitung ihrer Propaganda genommen werden.
Wer heute erkennt, dass die bisherige Gedenktradition auch zu einer Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus beigetragen hat, darf nicht den Fehler machen, dieses Gedenken nunmehr völlig aus dem Zusammenhang zu reißen: Wenn die Stadt Dresden die Erinnerung an die Bombardierung nun auf ein Beispiel für die Zerstörung von Städten durch Krieg, Bürgerkrieg oder Terrorakte reduziert und dabei in eine Reihe mit beispielsweise Bagdad, Hiroshima, New York, Sarajewo oder gar Guernica stellt, so ignoriert sie wiederum die politischen Zusammenhänge.
Während die Toten von Warschau, Leningrad und Coventry Opfer des nationalsozialistischen Angriffs- und Vernichtungskrieges waren, waren die Toten in Dresden Opfer im Krieg zur Zerschlagung der nationalsozialistischen Herrschaft. Ohne eine persönliche Trauer mindern zu wollen, stellen wir fest, dass eine solche Gleichstellung noch immer einem kollektiven Opfermythos dient. Wer diesen Unterschied nicht erkennt und deutlich macht, hat der Propaganda der JLO, der NPD und Kameradschaften nichts entgegenzusetzen!
Die Kampagne NS-Verherrlichung stoppen! arbeitet seit 3 Jahren gegen die nationalsozialistischen Gedenkmärschen zum Todestag von Rudolf Hess in Wunsiedel. Darüber hinaus richtet sich die Kampagne jedoch von Anfang an gegen jede Art der Verherrlichung des Nationalsozialismus und gegen jede Art der Verdrehung und Relativierung der deutschen Geschichte. Darum unterstützen wir den antifaschistischen Widerstand gegen den Naziaufmarsch am 13.02.2007.
Kommt an diesem Tag nach Dresden und stellt euch den Nazis auf ihrem Weg entgegen.
Zusätzlich rufen die Nazis für das Jahr 2007 mit einem “Aktionsbündnis gegen das Vergessen� zu einer Aktionswoche unter dem Titel “Ein Licht für Dresden� dazu auf, ihre geschichtsrevisionistische Propaganda auch in anderen Städten zu verbreiten. Am Dienstag, den 13. Februar sollen vor allem in Städten, die durch Luftangriffe stark zerstört wurden, Solidaritätsveranstaltungen für Dresden durchgeführt werden. Wer es also an einem Wochentag nicht nach Dresen schafft, findet die Möglichkeit zu erfolgreichem antifaschistischem Widerstand vielleicht schon vor der eigenen Haustür.
01. Februar 2007
redside
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